Für meine Organisation in Deutschland muss ich regelmäßig Berichte erstellen, darin gehe ich einmal anders als in den Homepage-Berichten, auf gezielte Fragen ein.

Ich habe gedacht, dass Ihr sie ja vielleicht auch einmal lesen wollt.
Es ist noch einmal ein anderer Eindruck über mein Leben und meine Arbeit hier.

Viel Spaß!

Eure Miriam :)

 

Erster Bericht zum Freiwilligendienst „weltwärts“

 

Miriam Ritter

Hogar de Niños Santa Cruz

Santa Cruz de la Sierra, Bolivien

 

Am 19. August 2011 startete meine Reise in das wohl größte Abenteuer meines bisherigen Lebens: Bolivien, ein Jahr, fremde Sprache, fremde Menschen, fremde Kultur und eine tagesreise mit dem Flugzeug  von meiner Familie und meinen Freunden entfernt.

Nach einem langen, aber angenehmen Flug bin ich gut und sicher in meiner Einsatzstelle und meinem neuen Zuhause angekommen: dem Hogar de Niños Santa Cruz.
Ich wurde sehr herzlich und freundlich aufgenommen. Durch ein Problem mit dem Visum, konnte meine Mitfreiwillige Ngan Truong nicht mit mir zusammen fliegen und daher war ich die ersten Tage alleine hier. Aber damit kam ich ganz gut zurecht. Mir wurde der Hogar sehr ausführlich gezeigt, auch die Stadt habe ich gesehen, war mich für meinen Sprachkurs anmelden und habe sogar das Nachtleben kennen gelernt.

Zur Erklärung sollte ich an dieser Stelle angeben, dass zu meiner Ankunft sechs Freiwillige aus Spanien da waren. Sie haben mich ein bisschen an die Hand genommen und sorgten wohl neben den Kindern und den Brüdern dafür, dass ich mich sofort sehr wohl gefühlt habe und das Heimweh so verschwinden konnte.

Situation der Einrichtung und der Kinder

Die Einrichtung und mein neues Zuhause, der Hogar de Niños Santa Cruz, hat mich sehr beeindruckt. Eine solche Anlage hatte ich nicht erwartet. Hier leben im Moment etwa 140 bis 150 Kinder, alles Jungen, die meist von einem Bruder und einem Erzieher betreut werden. Die Jungs sind in sechs Hogares eingeteilt. Immer nach Alter und Entwicklung wechseln die Kinder in den nächst höheren Hogar.
In Hogar 6 leben die Ältesten, allerdings schon alleine, es sind Studenten und sie werden wohl demnächst ausziehen und nun ein ganz eigenständiges Leben führen. Ob es danach dann noch einen Hogar 6 gibt, ist noch nicht klar.

Ansonsten enthält die Anlage ein „Kinderhaus“, in dem Hogar 2 bis 5 wohnen. Außerdem sind dort auch die Bibliothek, der Computerraum und ein Büro. Neben dem Haus ist einer der vielen Sportplätze. Mit Fußballtoren und Basketballkörben ist der genau richtig für die Jungs. Weiter besteht das Hauptgebäude aus dem Speisesaal, weiteren Büroräumen der Sozialarbeiter und von zwei Brüdern. Außerdem geht es dort in die Comunidad, sprich Gemeinde. Dort leben und wohnen die meisten Brüder. Weiterhin wird dort gegessen und gekocht und zur Kirche kommt man auch. Ich lebe hier in dem Freiwilligenhaus. Das ist noch einmal ein extra Haus, welches mit gut 20 Betten gefüllt ist. Als ich ankam lebten wir hier noch zu acht. Inzwischen haben aber schon einige ihren Freiwilligendienst beendet und wir sind nur noch zu dritt. In einem Monat werden wir dann nur noch zu zweit leben und so wird es dann auch erst einmal bleiben. Neben unserem Haus ist Hogar 1 und auf der anderen Seite Hogar 6 und die Aula. Weiter ist neben Hogar 1 der große Sandplatz und der überdachte Sportplatz. Auch ist in dieser Ecke des Hogars die Schule, welche bis zur achten Klasse geht und auch von Schülerinnen und Schülern außerhalb des Hogars besucht wird.
Ich könnte nun noch ewig weiter die Anlage beschreiben, aber ich denke, dass diese Angaben für einen Eindruck reichen sollten, schließlich habe ich noch viel zu berichten.

Nachdem ich meinen Sprachkurs absolviert hatte, habe ich angefangen die Akten der Jungs zu lesen. Diese Aufgabe umfasst im Moment meinen Morgen und bringt mir sehr viel. Nicht nur, dass es Fortschritte beim Spracherwerb bringt, auch lerne ich die Jungs so noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen. Eben von der sachlichen, der ganz klar realistischen Seite, in den Akten wird die Vergangenheit nicht schön geredet. Dort liest man dann, aus welchen Gründen die Jungen hier sind, wobei diese oft auch sehr unterschiedlich sind.

Es gibt Jungen, die hier sind weil ihre Eltern sie einfach finanziell nicht mehr halten können. Die meisten Familien in Bolivien haben viele Kinder. Aber fällt dann ein Elternteil aus und es kommt weniger oder gar kein Geld mehr rein, dann ist es ein großes Problem eine Familie zu ernähren.
In manchen Akten habe ich aber auch schon davon gelesen, dass Jungen geschlagen und misshandelt wurden, sowohl von Vater und Mutter, als auch von Großeltern. Manchmal fällt einem das am Verhalten des Jungen gar nicht auf, aber dann entdeckt man Narben auf seinem Körper, die nicht vom Spielen sind.
Weitere Jungen haben vor dem  Hogar de Niños auf der Straße gelebt. Warum sie dort gelandet sind, beantworten in der Regel die schon oben beschriebenen Situationen.
Ein anderer Grund ist auch, dass die Eltern verstorben sind. Manchmal nur ein Elternteil, welches dann aber nicht reicht um die Kinder zu versorgen, manchmal aber sogar beide Elternteile.

Diese ganzen, unterschiedlichen Gründe sind nun alles andere als schön. Sie spiegeln die Armut in Bolivien wieder. Nicht nur die Situation der Jungen hier im Hogar, viel mehr Menschen in Südamerika sind davon betroffen.

Situation des Ortes

Seit gut drei Monaten bin ich nun hier in Bolivien, einem der ärmsten Länder Südamerikas. Es gehört sogar zur Gruppe der dritten Welt Länder.

Auch ich habe die Armut hier schon gesehen, gespürt und miterlebt.

In der Stadt in der ich lebe, Santa Cruz, merkt man die Armut sehr unwirklich. Hier leben alle sozialen Schichten neben einander. Es gibt Leute, die keine Geldsorgen haben und diese, die betteln müssen. Also laufen durch die Straßen Leute mit teuren Handys, mit guter Markenkleidung und fahren wertvolle Autos. Sie leben in unglaublichen Häusern: grün, gepflegt, groß und beeindruckend.
Und dann gibt es Leute, die sitzen in dreckigen Ecken und betteln. Sie haben kein Dach über dem Kopf: Alte, Junge, Kinder – ganz egal.
Aber es gibt auch die sozialen Schichten dazwischen. Es leben Leute in Wellblechhütten. Ohne Strom und fließend Wasser. Hühner und Hunde sieht man davor herumlaufen.
Manchmal wirkt dieses Bild, vom Leben der Menschen hier, auf mich sehr unwirklich. Aber das ist Bolivien, Lateinamerika, ein ganz anderer Kontinent.

Politische Wahrnehmung

Während meiner ersten Tage hier in Bolivien gab es weltweit viel Wirbel um ein umstrittenes Straßenbauprojekt im Amazonas Gebiet. Der bolivianische Präsidenten Evo Morales hat unter dem Druck protestierender Indios und einer Protestwelle zehntausender Bürger ganz Boliviens dieses Bauprojekt wieder abgesagt.
Zunächst hörte ich durch deutsche Nachrichten, dass die Polizei gewaltsam gegen protestierende Indios vorgegangen sein soll. Daraufhin habe ich viele Demonstranten in der Stadt gesehen. Einige haben tagelang auf der Plaza campiert. Allerdings war in den Nachrichten nie die Rede davon, dass Demonstranten verschleppt wurden und nie wieder aufgetaucht sind, darunter Frauen und Kinder. Außerdem war hier die Rede von Vergewaltigungen und Ähnlichem.

Durch solche unterschiedlichen Aussagen spürt man natürliche eine gewisse Unruhe bei den Menschen. Allerdings habe ich mich nie unsicher oder sogar ängstlich dadurch gefühlt. Es waren ganz klar Proteste gegen die Regierung, nie gegen die Bürger oder deutsche Freiwillige. Man konnte sich sogar ganz gut mit den Demonstranten unterhalten.
Im Hogar hat man nicht viel von all dem Treiben mitbekommen. Was auch durchaus verständlich ist, die Jungs lesen eher selten Zeitung und Nachrichten werden auch nicht allzu oft geschaut. Man könnte sich sogar ein bisschen abgeschottet von der Außenwelt fühlen. Aber im Gespräch mit den Brüdern kam es durchaus zur Sprache. Inzwischen sind die Demonstranten wieder abgezogen und alles in allem spürt man nun gar nichts mehr von der Protestwelle, die vor ein paar Wochen noch ganz Bolivien bewegt hat.

Konkrete Tätigkeiten im Hogar

Meine Arbeit hier im Hogar war am Anfang natürlich sehr unterschiedlich. Zudem ich auch vormittags noch meinen Sprachkurs zu absolvieren hatte und mich alles in allem noch an die fremde Situation gewöhnen musste.
Zunächst war aber wohl das Wichtigste, dass ich die Jungs besser kennen lerne und umgekehrt. Das war zum Glück gar nicht so schwer. Kontakt hatte ich von Anfang an zu allen 6 Hogares. Wobei ich nicht mal weiß, wo ich am herzlichsten aufgenommen wurde.
Alle haben sich sehr bemüht, obwohl wir ja nicht mal annähernd dieselbe Sprache gesprochen haben.

Mit den Kleinen kann man wunderbar toben und knuddeln, Fußball spielen und Bilder malen. Die Größeren sind sehr bemüht, mir das Spanisch bei zu bringen und lassen sich gerne auf eine Unterhaltung oder simples Rumgealbere ein.

Momentan sieht mein Alltag so aus, dass ich am Morgen die Akten der Jungs lese. Am Nachmittag dann gebe ich dreimal in der Woche Englischunterricht für Kinder des Hogar 1. In Gruppen von vier bis fünf Schülern geht das noch ganz gut. Wobei man ganz klar sagen muss, dass der Unterricht nicht mit dem mir bekannten zu vergleichen ist. Trotzdem macht es den Jungs und mir viel Spaß.
Es ist echt unglaublich, wie wissbegierig manche von ihnen sind. Außerdem ist es echt toll, Früchte seiner Arbeit zu sehen.
Es geht mir schon das Herz auf, wenn ich von meinen Schülern auf Englisch begrüßt werde und wir auch später immer wieder die Sätze aus dem Unterricht durchgehen müssen.

An den Tagen, wo ich nicht unterrichte, bin ich entweder in Hogar 1 oder 2. Das wechselt wöchentlich. Wobei ich nicht mit Ngan gleichzeitig in einem Hogar eingesetzt bin.
Ich helfe dann bei den Hausaufgaben, also lesen, schreiben, rechnen oder zeichnen. Obwohl wir auch manchmal nur Karten spielen, uns unterhalten oder Quatsch machen. Es gibt ja schließlich nicht jeden Tag etwas auf.

Am Nachmittag, nach der Zwischenmahlzeit, ist eigentlich immer und für jeden Hogar Sport. Die Sportplätze werden unter einander aufgeteilt und dann geht es los. Meistens wird Fußball gespielt, aber auch Volleyball, Basketball oder mit dem Trompo, also mit dem Peitschenkreisel. Auch am Nachmittag bin ich entweder in Hogar 1 oder Hogar 2 eingeteilt. Ich spiele dann meistens einfach mit. Aber manchmal spielen nicht einmal alle Jungs aus dem Hogar mit, sondern quatschen nur oder albern rum und sitzen am Rand. Da kann man sich dann auch immer gut dazu setzen.

Das wäre nun ein Beispiel für einen ganz normalen Tag hier. Aber hier ist ja nicht jeder Tag ganz normal. Ganz im Gegenteil. Immer wenn ich denke, jetzt kehrt mal Alltag ein, passiert wieder etwas Besonderes.

Zuletzt hatten wir ein großes Fußballturnier. Eine Mannschaft mit Jungs aus Hogar 1 und 2 wurde zusammengestellt und von einem Sportstudenten extra für das Turnier trainiert. Gespielt haben verschiedene Hogares in Santa Cruz gegen einander. Gewonnen haben am Ende wir. Dazu gab es dann eine große Siegerehrung auf dem Sportplatz und tolle Preise für die Jungs.

Aber auch ich selbst, habe zwischendurch schon kleinere Projekte, mit Ngan, durchgeführt. Unser neustes Projekt war Plätzchen backen mit Hogar 1. So haben wir jeden Tag 5 bis 6 Jungs mit in die Küche genommen und eine Menge Kekse gebacken. Aber wir haben auch schon Weihnachtsmützen gebastelt, den Hogar geschmückt und Waffeln für alle Jungs gebacken.

Weiterhin arbeiten wir an einem neuen und großen Projekt. Wir haben inzwischen eine recht gute Spendersumme zusammen und würden davon gerne einen „Spieleraum“ einrichten. Also einen Aufenthaltsraum mit Kicker, Tischtennis und Billard. Aber auch mit Schach und anderen Brettspielen. Das läuft schon so konkret, dass wir schon nach Preisen schauen waren und diese verglichen haben, um wirklich den besten und günstigsten Anbieter zu finden. Es freut mich sehr, dass unser Projekt immer mehr Gestalt annimmt. Bald können die Jungs den Raum nutzen.

Insgesamt muss ich sagen, dass es in zwischen sehr schwer geworden ist, zwischen leben und arbeiten zu unterscheiden. Es macht mir einfach alles, großen Spaß und bringt mir viel Freude.

Weiter glaube ich sehr, dass meine Arbeit hier sinnvoll für den Hogar und die Jungs ist.
Die Jungs haben es verdient, dass man sich um sie kümmert, dass sie bespaßt werden, dass man ihnen einfach ein Lächeln ins Gesicht zaubert und eine Freude macht.
Das gelingt mir zum Glück ganz gut, aber hier passiert noch viel mehr.

Die Jungen sagen nun viel öfter „Bitte“ und „Danke“. Am Anfang haben meine Mitfreiwillige und ich da sehr viel Wert drauf gelegt und inzwischen hat sich das so gefestigt, dass wir da schon gar nicht mehr hinterher sein müssen.

Das sind dann immer wieder Momente, in denen ich mir sehr sicher bin, dass ich hier richtig aufgehoben bin und meine Arbeit Sinn macht.

Leben in einer fremden Kultur

Das Leben hier in Bolivien gefällt mir sehr gut, dazu gehört natürlich auch die Kultur des Landes. Es ist wahnsinnig, es sind so viele neue Eindrücke und Erfahrungen. Es ist echt unglaublich toll.

Mir macht es viel Freude diese fremde Kultur zu entdecken und kennen zu lernen.
Natürlich sind einige Sachen so, wie man sie erwartet hatte. Die Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit hat sich schon das ein oder andere Mal bestätigt.

Aber auch das gehört zu Bolivien.

Trotzdem finde ich es sehr spannend, hier alles Neue zu entdecken. Die Bräuche, Fest- und Feiertage, nun auch Weihnachten. Natürlich vermisse ich manchmal die Kultur meiner Heimat, aber die habe ich ja bald schon wieder.

Entwicklung des Spracherwerbs

Vor drei Monaten kam ich in Bolivien an und konnte mich grade mal auf Spanisch vorstellen. Sonst konnte ich nichts sagen und verstehen eher auch nicht.

Doch inzwischen kann ich mich unterhalten, auf Spanisch nachfragen, wenn ich etwas nicht verstanden habe. Ich kann auch schon in einfacher Vergangenheit erzählen und habe unzählige neue Wörter gelernt.
Dass ich wirklich in so kurzer Zeit so viel lerne, habe ich nicht gedacht und am Anfang habe ich auch ganz ehrlich nicht dran geglaubt.

Aber der Spanischkurs, sofort am Anfang des FSJ hat mir sehr, sehr viel gebracht. Und dann haben natürlich alle Bewohner des Hogares geholfen, mir Spanisch bei zu bringen.

Von den Jungs aus Hogar 1 habe ich sogar Heft und Stift geschenkt bekommen, dass ich mir alles aufschreiben kann. Sie haben mir außerdem ihre gesamte Einrichtung vor die Nase gehalten und mir erzählt, was das ist. Weiter haben wir uns viel gegenseitig vorgelesen.

Mit den Älteren habe ich dann recht schnell ein „Spenglisch“ gesprochen. Wir haben uns auf Spanisch unterhalten und immer wenn ich nicht weiter wusste oder ich etwas nicht verstanden habe, haben wir Englisch gesprochen.

Doch auch Ngan hat mir geholfen besser Spanisch zu sprechen. Sie spricht recht gut Spanisch und so kann ich sie immer fragen, wenn ich etwas nicht verstanden habe oder Ähnliches.

Alles in allem muss man aber sagen, dass ich mir hier einen ganzschönen Akzent aneigne. Man sagt, dass man Santa Cruz mit dem deutschen München vergleichen kann. - Aber es macht auch irgendwie Spaß so zu sprechen.

Highlights der letzten drei Monate

In den letzten Monaten gab es schon viele Momente, die ich zu den Highlights des Jahres zählen würde. Einfach Momente, in denen ich mich sehr gefreut habe hier zu sein und mir wieder einmal klar wurde, dass es die absolut richtige Entscheidung für mich war, nach Bolivien zu gehen.

Eins dieser Highlights war unter anderem, dass ich hier Freunde gefunden habe.

Nicht nur Ngan ist inzwischen eine sehr gute Freundin geworden, auch die anderen drei deutschen Freiwilligen, die in dem Hogar arbeiten, kann ich nun zu meinen Freunden zählen.
Wir sind schon fast wie eine kleine Familie zusammen gewachsen. Außerdem wollen wir Silvester zusammen verreisen und haben uns schon auf ein Wochenende in Sucre, der Hauptstadt Boliviens, getroffen.

Ich will diese Menschen hier nicht mehr missen. Es ist einfach toll, dass sie an meinem Alltag hier teilnehmen. Mit ihnen macht die Arbeit noch mehr Spaß. Außerdem verbringen wir auch unsere Freizeit zusammen. Wir gehen schwimmen, essen oder stürzen uns einfach nur ins Nachtleben. Wir planen neue Projekte für die Jungs, kochen und backen zusammen oder spielen einfach Karten.

Wenn ich an die Highlights hier in Bolivien denke, dann gehört da auf jeden Fall zu, dass ich diese Menschen kennen gelernt habe und dass wir uns so gut verstehen.

Fazit

Ich lebe hier mit Kindern zusammen, die aus den unteren sozialen Schichten kommen, die teilweise keine Familie mehr haben und in ihrem Leben schon eine Menge durchmachen mussten und was machen sie: sie leben.

Sie spielen Fußball mit einer Begeisterung, von der man nur träumen kann, im Regen oder der unbarmherzigen Mittagshitze, und wir feiern Feiertage oder Geburtstage zusammen mit einer Freude, dass ist unglaublich. Die Armut ist einen momentlang nicht anwesend, quasi an der Garderobe abgegeben. Wir hören Musik, teilen uns alle eine Flasche Cola oder Sprite und dazu ein paar Chips und genießen jeden Takt. Es ist nicht wichtig, dass sie grade ihr bestes und einziges Hemd an haben, welches sie dank Kleiderspenden besitzen, es ist nicht wichtig, dass sie nicht wissen, was einmal aus ihnen wird, es ist nicht wichtig, dass sie ihre Eltern lange oder noch nie gesehen haben, dass sie vielleicht sogar von ihnen misshandelt wurden. Für einen Moment ist das alles nicht wichtig. Es wird einfach nur der Augenblick genossen.

Ich kann nur sagen, dass ich hier richtige Probleme sehe, Probleme, die die deutschen Kinder wohl eher weniger haben und ich sehe dazu, dass sich die Kids nicht unterkriegen lassen und immer weiter machen. Auch wenn es nur kleine Schritte sind und dass ich bei dem einen oder anderen Schritt dabei sein darf, ist sehr schön, bewegend und beeindruckend.

Ich bin nach Bolivien gegangen, mit der Einstellung jeden Tag mindestens ein Lächeln in ein Gesicht zu zaubern. Das ist mir bis jetzt auch zum Glück gelungen, aber hier ist noch viel mehr passiert. Ich konnte einen Streit beenden, einen Tanzschritt lernen, ein Verhalten verstehen, ein englisches Wort beibringen oder einfach nur mal in den Arm nehmen. Ja, dafür bin ich hier und es ist unglaublich.

 

Miriam Ritter